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Nora von Waldstätten über ihre Rolle in «Carlos» PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andre Bernhardt   
Donnerstag, den 04. November 2010 um 17:12 Uhr

 

Berlin - Als eiskalte, mordende Internatsschülerin aus dem Bodensee-Tatort «Herz aus Eis» ist sie seit 2009 einem Massenpublikum bekannt. Dabei hatte die 1981 in Wien geborene Schauspielerin Nora von Waldstätten zu dem Zeitpunkt davor schon zahlreiche andere Kino- und Fernsehfilme wie «Falscher Bekenner» gedreht.

Dennoch freut sie sich über ihren Wiedererkennungswert dank des «Tatorts». «Immerhin haben acht Millionen Menschen den Film gesehen», sagte sie in einem mit der Nachrichtenagentur dpa bei den Filmfestspielen im Mai in Cannes. Dort feierte ihr aktuelles Werk «Carlos - Der Schakal» eine umjubelte Premiere. Von Waldstätten spielt darin die langjährige Frau und Komplizin des legendären Terroristen Carlos, Magdalena Kopp.

 

 

 

Regisseur Olivier Assayas erzählt in dem Film von den Zeiten des Terrorismus in den 70er und 80er Jahren und einer seiner Hauptfiguren. Kann man dem heute überhaupt gerecht werden?

Nora von Waldstätten: «Wir haben jedenfalls alle unser Bestes gegeben. Carlos und seinen geschichtlichen Zusammenhang zu bündeln ist eine große Auflage. Aber für einen Spielfilm, der keine Dokumentation sein will, muss man sich auch von der Geschichte und ihren Personen emanzipieren, sich ein eigenes Bild machen. Natürlich habe auch ich einen enormen Druck und auch Respekt verspürt, diese reale Person zu spielen. Doch man muss im besten Sinne des Wortes den übertriebenen Respekt vor der wahren Person verlieren, eine gewisse Frechheit an den Tag legen, damit man das Innenleben der Figur füllen kann. Wie nah wir mit dem Film an die Realität kommen? Ich befürchte recht nah.»

Über Magdalena Kopp wurde schon viel geschrieben, sie selbst hat eine Autobiografie verfasst. Ist es etwas anderes eine reale Person zu verkörpern als eine fiktive?

Nora von Waldstätten: «Ich habe mich mehr als drei Monate vorbereitet. Sekundärliteratur gelesen, Leute getroffen, die damals politisch aktiv waren, sogar mit einem Dokumentenfälscher der RAF gesprochen und auch die Autobiografie von Magdalena Kopp studiert, um mich einzustimmen. Doch irgendwann habe ich dann wie bei fiktiven Rollen mein Moleskin-Notizbuch genommen und angefangen, die Figur mit einem Innenleben zu füllen. Ich habe mich gefragt, was sie als Kind werden wollte, welche Musik sie gehört hat. Und wenn ich dann anfange, mit der Figur zu träumen, dann weiß ich: "Jetzt geht's los."»

Was hat Sie an der Rolle und der Person so fasziniert?

Nora von Waldstätten: «Magdalena Kopp war 14 Jahre an der Seite dieses sehr komplexen Mannes Carlos. Die beiden waren schicksalhaft aneinandergebunden, haben sich sehr geliebt. Es gab ein Band zwischen den beiden, das auch nach ihrer Zeit im Gefängnis in Frankreich nicht gelöst war. Stattdessen haben sie schnell nach ihrer Rückkehr nach Damaskus die gemeinsame Tochter bekommen. Ihr Element war nicht das Morden. Sie hat sich oft überfordert. Der Jet-Set im Untergrund war zwar ein cooles Leben, aber sie hat auch die Schattenseiten kennengelernt.»

Interview: Britta Schmeis, dpa

 

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